2512 Schuetze
Die Körnung des Ortes ist geprägt durch die heterogenen städtebaulichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Das von drei Strassen flankierte Grundstück liegt an der Schnittstelle, an der Massstäbe, Bebauungsformen und verschiedene Typologien aufeinandertreffen. Die Themen des Gegensätzlichen und Bilateralen, sowie die typologisch und materiell ortstypischen Charakteristika werden aufgegriffen und dienen als Grundlage für das städtebauliche und architektonische Konzept.
Es wird eine Komposition aus zwei identischen, viergeschossigen Gebäudekörpern vorgeschlagen, die sich versetzt und gedreht zueinander entlang des abschüssigen Terrain setzen. Die Verortung auf dem Grundstück reagiert hinsichtlich Kantenbildung und Raumfluss auf die jeweilige vis-à-vis Situation der benachbarten Bebauungen. Die zwei Gebäudekörper sind in einen üppig grünen, naturnahen Freiraum eingebettet, der den lebendigen Charakter der Siedlung unterstützt. Eine Grünschicht aus heimischen Sträuchern und Stauden bettet die Häuser ein und schafft Privatheit für die Wohnungen im Erdgeschoss. Hier befinden sich auch die privaten Gartensitzplätze. An der oberen Strassenecke öffnet sich eine wiesenartige Situation mit Obstbäumen. Diese nimmt Bezug auf den Ort und seine Tradition, siedlungsnahe Freiräume als Obstwiesen zu nutzen. Der zentrale Gemeinschaftsbereich liegt zwischen den zwei Neubauten und ist sowohl direkt aus den Gebäuden als auch von der Strasse aus erreichbar.
Das Gebäudekonzept basiert auf einem sich wiederholenden modularen Struktur-Prinzip. Die Grundlage bildet eine kompakte vier-spännige „Windmühlen“-Gebäudeform, mit einem kompakten zentralen Treppenhaus-Kern. Die an jeder Fassadenseite hervorspringenden Gebäudeteile der Windmühlen-Flügel gliedern das Fassadenbild, nehmen Bezug zu den im Quartier typischen Erkerformen und ermöglichen eine dreiseitige Ausrichtung jeder Wohnungseinheit. Die Kopfbereiche der „Windmühlen-Flügel“ werden durch grosszügig bemessene Vierjahreszeiten- Zimmer und daran anschliessende Loggiabereiche gekennzeichnet. Diese stellen in jeder Wohneinheit ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal dar, indem sie den Wohnraum erweitern und das Raumangebot um nutzungsflexible Wohnbereiche ergänzen, die als Wintergarten, Studio, Wohn- oder Essbereich genutzt werden können.
Die konstruktive Umsetzung verbindet die ästhetisch-konzeptionellen Ansprüche mit den wirtschaftlichen Anforderungen. Nach dem Grundsatz: „Das richtige Material am richtigen Ort“, wird konstruktionstypologisch ein
Hybridbau angedacht, mit einem überwiegenden Anteil im vorfabrizierten Holzbau. Auf der Basis dieser Konstruktionsprinzipien und der konzentrierten Anordnung der Schächte ist eine klare Systemtrennung möglich. Dadurch kann der Unterhalt bauteilspezifisch und lebenszyklusgerecht erfolgen. Die effizienten Strukturen und der Einsatz nachwachsender, lokaler und recyclierter Baumaterialien erlauben es zudem, Gebäude mit minimalem Aufwand an grauer Energie zu erstellen, die zugleich dauerhaft, reinigungsfreundlich und betriebskostenoptimiert sind.
Das Erscheinungsbild ist geprägt durch ein wertiges hölzernes Fassadenbild, dass als dunkel lasiertes, homogen elegantes Gebäude daherkommt. Die tektonische Gliederung der Baukörper wird übergeordnet bestimmt durch die Abgrenzung eines unteren niedrigen mineralischen Beton-Sockelbereichs, der den Terrainanschluss und die „Erdung“ des darauf liegenden Holzbaus übernimmt. Die oberen, hinterlüfteten Holzfassaden werden nach Aussen durch filigrane Pfosten klar vertikal gegliedert. Die geschlossenen Fassadenbereiche sind ebenso wie die hölzerne Struktur in hölzernen und dunkel lasierten Ausfachungen vorgesehen. Das streng vertikale Schattenbild wird durch die horizontal verlaufenden Geschoss-Riegel als „Marca-Piano“ in der Höhe gegliedert. Die vertikalen Pfosten verjüngen sich geschossweise nach unten, um ein feingliedriges, leichtes und bewegtes Schattenspiel auf der Fassade zu erzeugen.